Ist Selbstmarketing für Frauen narzisstisch?

von | 18. August 2021

Selbstmarketing für Frauen hat nichts mit Narzissmus zu tun
Missverstandene Selbstvermarktung treibt Blüten. Wie geht es besser?

Du kennst als Frau dieses unangenehme Gefühl, wenn sich jemand dir gegenüber aufspult. Sich dabei selbstverständlich in den Mittelpunkt stellt und dir dabei noch Druck macht. Nicht nur, ihn (oder sie) toll zu finden und etwas abzukaufen, sondern dich auch noch dafür qualifizieren zu müssen. All das unter Zeitdruck versteht sich. Ist Selbstmarketing für Frauen wegen dieses real und häufig existierenden Klischees so unangenehm?

Ja, diese brachiale Art Marketing gibt es wirklich. Das Schlimmste: Sie funktioniert sogar. Zumindest für viele.

Um als Selbstständige ein solches Marketing zu veranstalten, braucht es mit großer Wahrscheinlichkeit dickhäutigen Narzissmus und/oder, Dreistigkeit. Also: Nichts für dich? Gut so. Oder?

Trost für Nicht-Narzisst*Innnen

Tröstlich ist, dass hinter Narzissmus, laut Definition, eben nicht besonders viel Selbstwertgefühl steckt, sondern gar keins. Es wird aufgeblasen, um zu kompensieren.

Aus Selbstmarketing-Gründen NarzisstIn werden zu wollen, lohnt sich also nicht. Gleich, ob dickhäutiger Narzissmus oder dünnhäutiger: Pathologischer Narzissmus ist – wie der Name deutlich impliziert – nicht gesund.

Und was ist mit dem gesunden Narzissmus, von dem so oft geredet wird, dass frau ihn haben sollte, um endlich so viel zu verdienen wie ein Mann? Zumindest um so (vergleichsweise) wenig dafür zu tun wie ein solcher?

Gesund klingt immer ein bisschen anstrengend. Und: Sollte dieses lästige Selbstmarketing nicht etwas leichter sein?

Selbstmarketing für Frauen: Evolutionäre Erkenntnis

An Stelle des üblichen pathologischen Narzissmus, kann für dich ab jetzt der wohltuende Narzissmus treten. Der definiert sich dadurch, dass du einerseits durchaus Selbstwertgefühl hast. Und dich andererseits dennoch in punkto Selbstvermarktung engagierst. Natürlich ethischer und weniger peinlich als so ein üblicher waschechter Narzisst. Wohltuend eben.

Erstens: wohltuend für dich selber, weil du dir vorab wirklich genau überlegst, was du überhaupt konkret anbietest, wem und zu welchen Konditionen. Und zweitens: mindestens genau so wohltuend für die, die dein Angebot annehmen, für das Produkt zahlen, weil sie es brauchen und/oder wollen.

Wohltuend oder doch lieber wohltätig?

Falls du finanziell unabhängig bist, kannst du dich natürlich auch komplett für den wohltätigen Narzissmus entscheiden. 

Doch auch der wohltuenden Variante ist schon ein gewisser Glamour-Faktor mitgegeben. Ganzheitlich. Denn alle Beteiligten fühlen sich einzigartig und besser. Gesehen und gehört. Verstanden und vermutlich sogar: geliebt. Etwas, für das ein Narzisst einfach nicht die richtige Strategie findet, weil es dafür keine Strategie gibt. Als Nebenwirkung wird dein Marketing beginnen, dir Freude zu machen.

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Susanne Hake

Master of Fine Arts, ganzheitliche Kommunikationsberaterin.

Foto: dpa.com/Silas.Stein

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