Zwei Filmtipps: Heute eine Komödie für eher hochsensible Schüchterne

von | 22. Dezember 2014

Nichts geht über Screwball-Comedy. Auch für und über HochsensibleEs gehört zum Komödienklischee, dass die Protagonistin schüchtern ist. Gerne trägt die weibliche Hauptfigur, um das metaphorisch zu verdeutlichen, auch eine Brille. Und wird dann in der Regel durch einen im Leben stehenden Draufgänger, den sie natürlich ihrerseits durch beständige Liebe reformierte, erlöst. Gelegentlich wird auch eine männliche Hauptfigur als schüchtern vorgestellt. Ein sanfter Held, der dann von einem, ihn aus dem Häuschen lockenden, draufgängerischen weiblichen Charakter zum gemeinsamen Glück geführt wird. Das ergibt dann bestenfalls so wunderbare Filme wie ‚Bringing up Baby‘ (‚Leoparden küsst man nicht‘) mit Cary Grant und Katherine Hepburn, Jahrzehnte später als Remake ‚What’s up Doc?‘ (‚Is‘ was, Doc?‘) mit Ryan O’Neal und Barbra Streisand verfilmt.

Romantische Komödien sind ein Genre. So wie Science Fiction.

Was aber passiert, wenn sowohl die weibliche als auch die männliche Hauptfigur schüchtern ist? Wo bleiben da die ’story dynamics‘, die Bewegungen in der Geschichte? Sehr elegant zeigen uns der französische Drehbuchautor Philippe Blasband und der Regisseur Jean-Pierre Améris wie das funktioniert: ‚Die anonymen Romantiker‘ (Les Émotifs anonymes, 2010) mit Isabelle Carré und Benoit Poelvoorde ist ein Vergnügen. Schön anzusehen, hintergründig und vordergründig komisch, fantastisch gespielt, auf ein überraschend weises Ende zusteuernd. Und 78 Minuten kurz. Lachen ist, um hier die Ganzheitlichkeit einzubringen, tatsächlich die beste Medizin: ‚Die anonymen Romantiker‘, in der Welt exquisiter Schokoladenherstellung spielend, passt, auch als süßer Magenbitter zwischen Gans und Karpfen.

Der französische Esprit, der mich zur Frankophilen macht

Vielleicht sind die französischen NachbarInnen in der Liebe ja wirklich innovativer, eleganter und feinfühliger als unsereins. Wir können jedenfalls auch im filmkulturellen Sinne dazu lernen, denn eine französische Komödie ist doch spätestens seit Louis de Funes etwas ganz anderes als eine deutsche Komödie. Wie gut, dass es diesen feinen Unterschied gibt. Nicht nur in der Küche, sondern auch im Kino. Nicht nur auf dem Teller, im Café au Lait, sondern auch im Geist: Voilà!

Susanne Hake

Master of Fine Arts, ganzheitliche Kommunikationsberaterin.

Foto: dpa.com/Silas.Stein

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